„Es hat immer wieder Leute gegeben, die mir Knüppel zwischen die Beine geworfen haben“

Bis 1980 haben die Schweizer Behörden zehntausende Kinder ihren Eltern entrissen. Sie arbeiteten als Knechte bei Bauernfamilien. Sie wurden misshandelt, erniedrigt, geschlagen und mussten im Stall schlafen. Die Betroffenen leiden bis heute an den Folgen.

Seit 2017 wird in der Schweiz die Geschichte der Verdingkinder aufgearbeitet. Heute vor 6 Jahren, am 12. April 2013, hat die damalige Justizministerin Simonetta Sommaruga die ehemaligen Verdingkinder öffentlich im Namen der Schweizer Regierung um Entschuldigung für das begangene menschliche Unrecht gebeten. Sie bezeichnete den Umgang mit Verdingkindern

als eine Verletzung der Menschenwürde, die nicht mehr wieder gutzumachen sei.

Ich traf Wilhelm Scherz, selber ein Verdingkind, im März in Leissigen für ein Porträt. Er erzählte mir, wie er seine Kindheit erlebte und von seinem Heimweh, dem Heimweh nach den eigenen Leuten, die ihn verstossen haben. 

Ein bewegtes Leben liegt hinter ihm. Wilhelm Scherz erzählt, dass das Heimweh ihn immer wieder zu seinen Leuten trieb. Und jedesmal wurde er 50 Meter vor dem Ziel geschnappt und wieder ins Heim gebracht. 

Die Fotos erschienen zusammen mit einem Interview von Christian Egg in Work – die Zeitung der Gewerkschaft Ausgabe Nr.7 vom 12. April 2019.

WORK Interview mit Wilhelm Scherz, Verdingkind from Matthias Luggen on Vimeo.